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161. Ausgabe

Oktober 2017
15. Jahrgang
 

Dreifach befreit

Dreißig Jahre können lang sein, sehr lang. Das mussten Renate und Fritz K. kürzlich leidvoll erfahren. Doch von Anfang an: 1979 haben die beiden ein Einfamilienhaus in Berlin-Wendenschloß gebaut. Das Grundstück war Volkseigentum, das sie nur nutzen durften, aber nicht kaufen konnten. Dann kam die Wende und kurz vor der Wiedervereinigung verabschiedete die DDR-Regierung unter Hans Modrow Gesetze, die es den Einfamilienhaus-Besitzern erlaubte, ihre in Volkseigentum befindlichen Grundstücke zu erwerben – zum damals gültigen Verkehrswert.

Das taten die beiden, wie viele andere auch. Doch die „Modrow-Gesetze“ gaben später immer wieder Anlass zu Diskussionen und Streit, weil die Kaufpreise als zu niedrig angesehen wurden. „Wir haben jahrelang gezittert, dass wir unser Grundstück wieder verlieren.“ Die meisten Verträge wurden schließlich bis Ende der 90er Jahre geändert. Das Land Berlin ließ sich jeweils ein 30 Jahre währendes Vorkaufsrecht eintragen und eine hohe Ausgleichszahlung für den Fall, dass das Grundstück vor Ablauf der Frist verkauft werden würde.
Der Vertrag von Renate und Fritz K. wurde 1996 notariell beurkundet. Die Folge: „Wir hätten unser Haus erst in zehn Jahren regulär verkaufen können“, erklärt Renate K. Schon vor einiger Zeit hatten Renate und Fritz K. beschlossen, in eine Wohnung zu ziehen, wenn sie 75 Jahre und er 80 Jahre alt werden würde. Im letzten Jahr war es soweit – und keine der beiden Töchter wollte den Bungalow mit vier Zimmern, Vollkeller und Tiefgarage übernehmen.

Was nun? Vermieten oder doch verkaufen?

Die beiden sitzen am Esstisch in ihrer Neubauwohnung, in die sie vor wenigen Wochen eingezogen sind. All das versöhnt sie mit der Entscheidung, die sie getroffen haben: das Haus zu verkaufen und die festgeschriebenen 50 Prozent des Grundstückswertes als Ausgleich an die Stadt zu zahlen. „Um das Haus zu vermieten, hätten wir es erst renovieren müssen. Den Stress wollten wir uns nicht mehr antun“, erklärt Renate K.
Die Suche nach einem Käufer und die Abwicklung mit den Behörden überließen sie Uwe G. Bachmann, der mit seiner Firma der bekannteste Immobilien-Profi im Umkreis ist. „Herr Bachmann hat uns sehr geholfen“, erzählt Fritz. Wie?

Er und sein Team ließen den Bodenpreis für das Grundstück ermitteln und da Berlin das Vorkaufsrecht nicht ausüben wollte, klärten sie mit der BIM, dem Immobiliendienstleister der Stadt, die Modalitäten der Ausgleichszahlung. Das Filmteam der Firma Bachmann Immobilien kam und drehte ein Immobilienvideo für die Anzeige im Internet.

Eine Familie mit Kindern griff zu und überwies vom Kaufpreis das Geld an die Stadt Berlin. „Dass wieder Kinder im Haus wohnen werden, finde ich sehr schön“, sagt Renate K., die doch ein wenig Wehmut verspürt. Es fällt nicht so leicht, sich von einem Haus zu lösen, das man selbst gebaut hat.

„Ich fühle mich dreifach befreit“, sagt Fritz K. Langeweile fürchten er und seine Frau nicht. Beide sind fit. Für sie beginnt jetzt einfach ein neuer Lebensabschnitt.
Kiez-Reporterin: Frau Kaemmel

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